Das Grýlág (Gigantea minima, Aussprache: Grilaug) ist das einzige Exemplar der Gattung isländische Trolle, die als ausgestorben gilt. Es ist eine Mutation der Trollfrau Grýla, die sich durch besondere Bosheit und Heimtücke auszeichnet.

Das Grýlág hat einen gedrungenen Körperbau. Kopfhöhe sowie Bauchdurchmesser betragen jeweils etwa 10 cm. Als sitzende Gestalt benötigt es keine Beine. Es hat kurze schaufelförmige Pranken, tellerartige Augen und ein riesiges Maul mit zwei hervorstehenden Zähnen. Seine 6 cm lange und 18 mal gedrehte rüsselförmige Nase sowie die großen hängenden Ohren geben ihm ein elefantenähnliches Aussehen. Das Haupthaar ist weiß, während der Körper eine bräunlich teigige Farbe aufweist.




Nach dem heutigen Wissensstand ist das Grýlág eine Mutation der Grýla, die zur Gattung der isländischen Trolle gehört und in grauer Vorzeit von Norwegen nach Island ausgewandert ist. Wissenschaftlich gesichert ist, dass Grýla ihr Unwesen schon zur Zeit der Landnahme (um 870) getrieben hat. Sie findet in einem Þulur (Namensanhang) zur Edda des Snorri Sturluson (1179-1241) neben vielen heute völlig unbekannten Trollfrauen würdige Erwähnung.[1] Wie alle Trollfrauen zur damaligen Zeit war sie von riesiger Gestalt und dürfte – trotz Hässlichkeit und grausamem Charakter – auf männliche Exemplare der Gattung homo sapiens verhängnisvoll anziehend gewirkt haben.

Im 17. Jahrhundert wurde Grýla als furchterregendes Bettelweib insbesondere im Umkreis isländischer Pfarrhöfe gesichtet und besungen. Hier finden sich auch schon genaue Beschreibungen ihres Aussehens und Wesens.[2] Seit dem 19. Jahrhundert wird sie mit wachsender Sorglosigkeit als Mutter von 13 pubertären und gemeingefährlichen Rüpeln (Jólasveinar) verehrt, die um die Weihnachtszeit nichts als Unfug treiben.

Eine Inspektions-Expedition hat kürzlich ergeben, dass sich Grıla im fortgeschrittenen Prozess der Versteinerung befindet. Beim Versuch, den Geist der Trollin mittels einer geheimnisvollen norwegischen Flatbrod-Rezeptur zu materialisieren, ist an einem geheimgehaltenen Ort in Mitteleuropa eine sehr kleinwüchsige Mutation entstanden, das Grılág.





Die Lebensweise konnte auf Grund der kurzen Existenz des Grýlág noch nicht hinreichend erforscht werden. Das Grýlág hat sich aber erstaunlich schnell in der neuen Umgebung zurecht gefunden. An der Flanke des um Nasenlänge größeren Egadir hat das anlehnungsbedürftige Wesen ein beschauliches Refugium gefunden.

Trotz des unterschiedlichen Körperbaus hat der Egadir das Grýlág sofort als Schicksalsgefährtin akzeptiert und mit ihm einen provisorischen Unterstand bezogen. Da die beiden hinsichtlich der Nahrungsaufnahme unterschiedliche Gewohnheiten beibehalten haben, begnügt sich der Egadir mit Ahornblättern, während das Grýlág an einem versteinerten Stück Lavabrot herumknabbert.



Glücklicherweise war der Austrocknungsprozess bislang nicht rückläufig. Ob das Grýlág auf Grund seiner trollischen Bestandteile eine Bedrohung für seine Umwelt darstellt, kann noch nicht abschließend beurteilt werden. Es besteht aber die begründete Hoffnung, dass das Grýlág von grundsätzlich gutmütiger Natur ist. Auch dürfte es schon aus anatomischen Gründen nicht in der Lage sein, gröberen Unfug anzurichten. Nicht zuletzt wird der friedliche Egadir mäßigend auf etwaige trollische Anfälle seiner Gefährtin einwirken.

Nachkommen aus der Verbindung zwischen Egadir und Grılág sind nicht zu erwarten.

Ob es allerdings auf Dauer möglich sein wird, ausreichend Nahrungsvorräte für das Grýlág bereitzustellen, muss die Zukunft erweisen. Es nimmt bedauerlicherweise ausschließlich originäres isländisches Lavabrot zu sich und verweigert die Aufnahme hiesiger Nachbackware. Die Gesellschaft zur Reanimierung isländischer Trolle (GRIST) hat sich vorerst verpflichtet, diese beiden einzigartigen Vertreter ihrer Spezies sorgsamst zu pflegen und zu schützen. Spenden werden dankend entgegengenommen.

Die Aufnahme beider in die Weltkulturerbegüterliste wird angestrebt.